Lexikon

Meta-Erzählungen

werden Erzählzusammenhänge bzw. »große Erzählungen« aus Mythos, Religion und Philosophie genannt, die tief in einer Kultur verwurzelt sind und die gemeinschafts-, sinn- und orientierungsstiftend wirken.

Metapher

Metapher nennt man ein Sprachbild, das einen Sachverhalt veranschaulicht und verdeutlicht. In der religiösen Sprache spielen Metaphern eine wichtige Rolle. Wo die herkömmliche Sprache an ihre Grenzen kommt, etwa beim Reden über Gott oder über religiöse Erfahrung, da können Metaphern Vorstellungen wecken und zu Deutungen anregen.

Metaphysik

(griech. wörtlich: nach, jenseits oder hinter der Physik) wird als Begriff meist von der Anordnung des Gesamtwerks Aristoteles’ durch einen Herausgeber abgeleitet: Hinter den naturwissenschaftlichen Schriften wurden die philosophischen Bücher sortiert, die sich mit dem beschäftigen, was die Welt der physischen Erscheinungen übersteigt bzw. ihr zugrundeliegt. Allgemein bezeichnet Metaphysik deshalb die Lehre von den letzten Gründen und Zusammenhängen der Welt, also dem, was hinter dem sinnlich Erfahrbaren liegt. Aristoteles selbst verwendete (wie später auch z. B. Descartes) dafür die Bezeichnung: »erste Philosophie« von den Prinzipien und Ursachen des Seienden.

Methodisten

sind Mitglieder einer Freikirche, die auf den anglikanischen Geistlichen John Wesley (1703–1791) zurückgeht. Er verfolgte, gemeinsam mit seinem Bruder Charles, das Ziel, das spirituelle Leben der Kirche von England zu intensivieren und lebendiger zu gestalten. Ihre Bemühungen führten schließlich zur Entstehung einer separaten Kirche. Sie glauben an das Priestertum aller Gläubigen und setzen sich für die persönliche und gesellschaftliche Heiligung und für soziales Engagement ein.

Micha

wirkte als Prophet in der 2. Hälfte des 8. Jh.s v. Chr. im Südreich. Ähnlich wie Amos klagt er das Unrecht der Reichen und Mächtigen an und droht mit dem bevorstehenden Gottesgericht. Doch er kündigt auch an, dass Gott durch einen Nachkommen Davids, der aus Bethlehem stammen wird, ein Friedensreich aufrichten wird.

Midrasch

(Pl. Midraschim, abgeleitet von hebr. darosch: suchen, fragen, forschen) bezeichnet die rabbinische Auslegung der hebräischen Bibel. Sie ist somit Teil der mündlichen Tora. Man versteht darunter sowohl den Vorgang des Studierens als auch dessen Ergebnis, also Schriftwerke, die Bibelauslegungen enthalten. Inhaltlich wird zwischen der gesetzlichen Auslegungen (Halacha) und der nichtgesetzlichen (Haggada) unterschieden.

Migrant/in

Migranten und Migrantinnen (von lat. migrare: auswandern, wandern, wegziehen) werden Menschen bzw. Menschengruppen genannt, die ihren Aufenthaltsort bzw. Lebensmittelpunkt über einen längeren Zeitraum in eine neue Region verlagern. Wenn von Menschen mit einem Migrationshintergrund gesprochen wird, meint man damit, dass eine Person oder auch nur die Vorfahren dieser Person früher in einem anderen Land gelebt haben. 

Mill, John Stuart

(1806–1873) war ein britischer Philosoph und Ökonom. Er gilt als einer der wichtigsten liberalen Denker und Utilitaristen des 19. Jahrhunderts. In seinem berühmten Werk »Über die Freiheit« plädiert er für Gedanken- und Meinungsfreiheit sowie allgemein für individuelle und bürgerliche Freiheit und tritt in diesem Zusammenhang auch für eine Begrenzung der Macht von gesellschaftlichen Mehrheiten ein.

Minarett

(arab.: Platz, wo Feuer oder Licht ist) nennt man den Turm einer Moschee, meist mit einem Balkon oder einer Galerie, von dem aus der Muezzin die Muslime zum Gebet ruft.

Minbar

Minbar ist die Kanzel in einer Moschee, von der aus der Imam im Rahmen des Freitagsgebets oder an muslimischen Feiertagen Predigten hält. Wie die Gebetsnische steht auch die Minbar in Gebetsrichtung.

Miniatur

bezeichnet in der Kunst eine kleine Zeichnung oder Malerei in einem Buch oder einer Handschrift.

Mirjam

war nach dem Buch Exodus die Halbschwester des Mose. Ihr Freudenlied nach der Errettung am Schilfmeer ist eines der ältesten Überlieferungsstücke der Bibel überhaupt. Andere Prophetinnen sind Debora (Ri 4 f.) und Hulda (2 Kön 22).

Mission

(lat. »Sendung«): Gemeint ist damit die Sendung der Jünger Jesu (Mt 28,16–20) sowie der Christinnen und Christen, die seinen Auftrag weiter führen und die Botschaft vom Reich Gottes in Worten und Taten zu den Menschen tragen. Evangelische Kindergärten, Beratungseinrichtungen, Krankenhäuser und viele andere Angebote sind damit auch Teil der »Mission«. Mission im christlichen Sinn zeigt Respekt gegenüber Menschen anderen Glaubens; dies schließt auch mit ein, dass man von seinem eigenen Glauben erzählt.

Missionsreisen

Nach der biblischen Überlieferung begann Paulus nach einem Berufungserlebnis als Apostel auf mehrere Missionsreisen zu gehen, um die christliche Botschaft zu verkünden. Er gründete dabei zahlreiche Gemeinden, denen er Briefe schrieb, die im Neuen Testament überliefert sind. Auf einer Reise nach Jerusalem wurde er inhaftiert und nach Rom überführt, wo er wahrscheinlich etwa 60 n. Chr. den Märtyrertod starb.

Moderator/in

(lateinisch von moderare: mäßigen, steuern, lenken) nennt man eine Person, die ein Gespräch oder auch eine Veranstaltung leitet. Im Fall von Internet Communitys sind es freiwillige oder von den Betreibern angestellte Personen, die die Aufgabe haben, auf die Einhaltung der Richtlinien zu achten und den Mitgliedern bei Problemen zu helfen.

Moksha

(sanskr.), die Befreiung aus der Kette von Geburt, Tod und Wiedergeburt.

Moltmann, Jürgen

(*1926) war Professor für Evangelische Theologie, zunächst in Wuppertal und Bonn, von 1967 bis 1994 in Tübingen. Im Rahmen einer immer auch politisch akzentuierten Theologie widmet er sich u. a. dem Verhältnis von Naturwissenschaft und Glaube. Er macht deutlich, dass die Wirklichkeit mehr umfasst, als was naturwissenschaftlich beschreibbar ist, weshalb er für einen Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaften plädiert.

Monolatrie

(auch Henotheismus): Verehrung eines einzigen Gottes, ohne dass aber die Existenz anderer Gottheiten geleugnet wird. In der alttestamentlichen Religionsgeschichte lässt sich eine Entwicklung von der Verehrung verschiedener Gottheiten über Monolatrie bis hin zum Monotheismus ablesen.

Monotheismus

(griech. monos theos: (nur) ein einziger Gott): der Glaube an einen einzigen Gott, verbunden mit der Leugnung anderer Gottheiten oder entsprechender Mächte. Als monotheistische Religionen gelten Judentum, Christentum und Islam. Christen legen den Monotheismus trinitarisch aus, d.h. sie glauben an einen Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist und unter den Menschen wirksam ist, d. h. an einen Gott, der aus sich herausgeht und dessen Wesen Liebe und Beziehung ist.

Montagsdemonstrationen

Im Herbst des Jahres 1989 erreichte der Widerstand gegen die SED-Herrschaft ihren Höhepunkt. Im Zentrum standen dabei die Montagsdemonstrationen, die seit Anfang September in Leipzig und später auch in anderen Städten der DDR stattfanden. Mit dem Ruf »Wir sind das Volk!« protestierten die Teilnehmer gegen das SED-Regime und für einen grundlegenden politischen Wandel. Sie legten damit den Grundstein für die friedliche Revolution, die zum Ende der DDR führte und die – wider alle Erwartungen – gewaltlos verlief.

Moral

(von lat. mos, mores: Sitte) bezeichnet die sittlichen Regeln und Verhaltensweisen, die in einer Gemeinschaft als verbindlich gelten und deren Nichtbeachtung sanktioniert wird. Jede Moral ist historisch bedingt, d. h. zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer bestimmten Situation entstanden, und hat insofern stets nur begrenzte Gültigkeit. Innerhalb einer Gemeinschaft können auch unterschiedliche, ggf. miteinander konkurrierende Moralsysteme existieren.

Moralismus

bezeichnet (abwertend) einen als übertrieben wahrgenommenen Bezug auf Moral bei Fragen des menschlichen Zusammenlebens; z. T. verbindet sich der Begriff mit dem Vorwurf, dass moralische Prinzipien zu rigoros oder zu starr angewendet werden, dass Sachlagen unangemessen vereinfacht würden und sich diejenigen, die andere im Hinblick auf ihr moralisches Tun kritisierten, in erster Linie sich selbst in ein gutes Licht stellen wollten. Umgekehrt kann der Moralismus-Vorwurf auch dazu verwendet werden, berechtigte Anliegen zu diskreditieren.

Mormonen

Die Glaubensgemeinschaft der Mormonen wurde 1830 von Joseph Smith gegründet; er sah es als seinen Auftrag an, die christliche Religion wieder neu an der Bibel auszurichten. Der Name der Gemeinschaft verweist auf den Propheten Moroni, von dem es heißt, er habe in Engelsgestalt Smith göttliche Schriften überbracht. Das so entstandene Buch Mormon gehört neben der Bibel und einigen weiteren Texten zur verbindlichen Überlieferung der Mormonen.

Moschee

(arab. masdschid: Ort des Sich-Niederwerfens (vor Gott)) ist das Gebetshaus der Muslime und gleichzeitig ein Versammlungsort, z. B. zum Lernen, Diskutieren und Austauschen.

Mose

gilt als Anführer der Israeliten bei ihrer Flucht aus Ägypten und bei ihrer Wüstenwanderung ins gelobte Land. Er empfängt von Gott die Gebotstafeln; die fünf Bücher Mose, die nach heutiger Erkenntnis aus vielen mündlichen und schriftlichen Quellen stammen, tragen seinen Namen. Ihre lateinischen Bezeichnungen lauten: Genesis (Schöpfung), Exodus (Auszug), Leviticus (zu den Leviten, d. h. Tempeldienern aus dem Stamm Levi, gehörig), Numeri (Zahlen), Deuteronomium (zweites Gesetz).

Mossad

ist der Name des 1951 gegründeten israelischen Auslandsgeheimdienstes. Das »Institut für Nachrichtenwesen und besondere Aufgaben« ist zuständig für weltweite Nachrichtenbeschaffung, Geheimaktionen und Terrorismusbekämpfung.

motorisch

(von lat. movere: bewegen): die Bewegung (des Körpers) betreffend.

Mudra

(sanskr.): eine besondere symbolische bzw. wirkmächtige Handhaltung. Mudras sollen, wenn man die Hände auf die beschriebene Art hält, eine jeweils spezielle Wirkung entfalten. Als solches spielen sie im Tantrayana eine wichtige Rolle. Als symbolische Handhaltungen werden sie auch in der buddhistischen Kunst verwendet, um Lehrinhalte bildlich darzustellen. Die oft abgebildete segnende Hand Jesu ist diesem Gebrauch vergleichbar.

Muezzin

ist der Gebetsrufer, der die Muslime fünfmal täglich vom Minarett der Moschee aus zum Gebet ruft. Heute wird dazu oft auch eine Tonaufnahme verwendet.

Muhammad

/Mohammad/Mohammed (arab.: der Gepriesene) gilt als wichtigster Prophet und Gründer des Islam. Er ist nach islamischer Vorstellung der Überbringer des Korans und das beste Vorbild für die Menschen. Im Deutschen sind die Schreibformen Mohammad und Mohammed am meisten verbreitet.