Lexikon

Landesherrliches Kirchenregiment

(auch Summepiskopat genannt) bezeichnet die Tatsache, dass der evangelische Herrscher zugleich oberster Bischof in seinem Herrschaftsgebiet war. Es endete im Jahr 1918. Es galt der Grundsatz »cuius regio, eius religio« (»in wessen Herrschaftsgebiet [man lebt], dessen Religion [muss man annehmen]«), sodass alle Untertanen gezwungen waren, die Religion ihres Herrschers anzunehmen. Das landesherrliche Kirchenregiment bildete die Grundlage für das viele Jahrhunderte andauernde »Bündnis von Thron und Altar« in den protestantischen deutschen Ländern.

Lapide, Pinchas

(1922–1997) war ein jüdischer Religionswissenschaftler, der sich in seinen Publikationen besonders für den jüdisch-christlichen Dialog eingesetzt hat.

Läuterung

meint etwas von Verunreinigungen zu befreien, es also zu reinigen (lauter bedeutet in diesem Zusammenhang »rein«).

Lebenskoffer-Projekte

(z. B. von Bildungseinrichtungen oder Gemeinden) laden Menschen dazu ein, dass sie ihren individuellen Lebens-Koffer (z. B. mit Erinnerungs- oder mit Symbolgegenständen) packen und gestalten, um ihre bisherige Lebensreise zu reflektieren und / oder darüber nachzudenken, welche Wünsche sie für ihren weiteren Weg haben und was sie dafür brauchen.

Lehmann, Karl

(1936–2018) war ein deutscher römisch-katholischer Theologe und als Kardinal von 1983 bis 2016 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. 

Leibniz, Gottfried Wilhelm

(1646–1716) war ein bedeutender deutscher Philosoph in der Zeit der Aufklärung. Zugleich war er Mathematiker, Diplomat, Physiker, Historiker, Politiker, Bibliothekar und Doktor des weltlichen und des Kirchenrechts. Als Philosoph trat er für eine Vereinbarkeit von Religion und Vernunft ein.

Lepanto-Zyklus

Der im Jahr 2001 von Cy Twombly (1928–2011) erschaffene zwölfteilige Bilderzyklus reflektiert die Sicht des Künstlers auf die historische Seeschlacht bei Lepanto am 7. Oktober 1571 zwischen der christlichen »Heiligen Liga« aus spanischen, venezianischen und päpstlichen Truppen und dem osmanischen Heer. Die für die christliche Seite siegreiche Schlacht hat innerhalb weniger Stunden an die 40.000 Menschenleben gekostet. Die großformatigen Ölbilder wurden für die Biennale in Venedig geschaffen und sind heute in München in einem eigens dafür eingerichteten Saal im Museum Brandhorst zu besichtigen.

Lessig, Lawrence

(*1961) ist ein US-amerikanischer Rechtswissenschaftler und eine der prominentesten Stimmen in der gegenwärtigen Debatte um das  Urheberrecht. In Bezug auf immaterielle Güter (z. B. Musik, Filme etc.) vertritt er eine liberale Position und fordert eine Reform der derzeit gültigen, als restriktiv empfundenen Regelungen, welche die digitale Wirklichkeit nicht angemessen berücksich­tigen. Er ist an zahlreichen Projekten beteiligt, die das Ideal einer Free Culture (»Freie Kultur«) anstreben.

Lessing, Gotthold Ephraim

(*1729, †1789), Dichter und Philosoph der Aufklärung, ist v. a. durch seine Theaterstücke und seine dramentheoretischen und religionsphilosophischen Schriften bekannt, in denen er sich für Toleranz in Fragen von Religion und Weltanschauung einsetzte.

LETS

ist ein Abkürzungswort für engl. Local Exchange Trading System (lokaler  Tauschring). Nach Michael Linton, der als Begründer moderner Tauschringe angesehen wird, kann ein Tauschsystem nur dann als LET bezeichnet werden, wenn folgende Kriterien erfüllt sind: Es wird kein Profit erwirtschaftet, jedes Mitglied beginnt mit einem leeren Konto, es gibt keine Zinsen, Geld kann weder ein- noch ausgezahlt werden, es gibt keinen Verkaufs- und Kaufzwang, Mitgliedern ist Auskunft über das Guthaben und die Umsätze zu geben und die lokale Verrechnungseinheit ist (in der Regel) an die Landeswährung gekoppelt.

Lévinas, Emmanuel

(* 1906 in Kaunas / Litauen, † 1995 in Paris), war ein französisch-jüdischer Philosoph und Schriftsteller. Als Professor für Philosophie lehrte er in Nanterre und an der Pariser Sorbonne. Er vertrat – in der Tradition des Judentums stehend – eine »Ethik des Anderen«, die eine bemerkenswerte Sicht auf das biblische Liebesgebot ermöglicht und die in unserer Zeit v. a. im Hinblick auf den Umgang mit Fremden diskutiert wird.

Levit

einfacher Tempelpriester (Priester), der Hilfsdienste verrichten und als Chorsänger oder Musikant am Opfer teilnehmen durfte. Der Name leitete sich vom Stammvater Levi ab.

liberal

Der Begriff »liberal« wird je nach Zusammenhang recht unterschiedlich verstanden. Im Hinblick auf Richtungen in einer Religion wird damit u. a. ausgedrückt, dass dem Einzelnen viel Freiheit für mündige Entscheidungen zugetraut wird und dass sie einem aufgeklärten Umgang mit der religiösen Tradition verpflichtet ist (im Gegensatz zu einem fundamentalistisch-verengten Umgang). Z. T. wird »liberal« eher in einem abwertenden Sinn verwendet, weil unterstellt wird, hier ginge es um einen beliebigen Umgang mit der biblischen bzw. christlichen Überlieferung.

Libet, Benjamin

(1916–2007) war ein US-amerikanischer Neurophysiologe. Berühmt wurde das nach ihm benannte und bis heute vielfach diskutierte und kritisierte »Libet-Experiment« von 1979: Hier sollten Probanden mithilfe einer Spezial-Uhr angeben, wann sie die bewusste Entscheidung zu einer Handbewegung getroffen hätten. Da sich bereits ca. 350 Millisekunden davor ein sog. Bereitschaftspotential im Hirn messen ließ, ergab sich daraus die Frage, ob Menschen einen freien Willen haben können, wenn der bewusste Wille der Hirnaktivität nachfolgt.

Lithosphäre

bezeichnet in der Geologie den Gesteinsmantel der Erde.

liturgisch

meint, zur Liturgie, d. h. zur Feier des Gottesdienstes gehörend (von griech. leiturgia, Dienst für die Öffentlichkeit).

Lobotomie

bezeichnet einen medizinischen Eingriff mit einer ca. 20 cm langen Stahlnadel, die mit einem Hammer in den Kopf getrieben wird, um dabei Nervenverbindungen im Gehirn zu durchtrennen. Die zwischen 1940 und 1955 überaus populäre Methode sollte Menschen mit psychischen Störungen heilen. Wegen schwerster Nebenwirkungen und Unwirksamkeit wurde sie in der Folgezeit immer stärker abgelehnt und nicht mehr angewandt.

Locke, John

(1632–1704) war ein englischer Philosoph und bedeutender Staatstheoretiker, dessen Theorie der Gewaltenteilung wegweisend für die Entwicklung der bürgerlichen Demokratien wurde. In seiner Erkenntnistheorie wendet er sich gegen die rationalistische Auffassung, dass das Denken (ratio) die Grundlage von Erkenntnis sein oder dass es angeborene Ideen oder angeborene Prinzipien im Menschen geben könne. Er sah vielmehr die Erfahrung als einzige Wissensquelle an und unterzog die Mittel und Möglichkeiten des menschlichen Verstandes einer kritischen Prüfung. Daher gilt er als Mitbegründer des Empirismus und wichtiger Vordenker der Aufklärung.

Logos

(griech.) bedeutet u. a. Wort, Rede, Sinn, vernünftiges Denken, Weltordnung. Schon in der Antike verwendete man diesen Begriff auch im Gegensatz zu Mythos und charakterisierte mit diesem Begriffspaar unterschiedliche Weltzugänge: Während der Mythos Sinnfragen erzählend und bildhaft-symbolisch zur Sprache bringt, steht der Logos für wissenschaftliche, »logisch« nachvollziehbare, empirisch nachprüfbare und beweisbare Erkenntnis.

Löhe, Wilhelm

(1808–1872) war ein evangelisch-lutherischer Theologe und Pfarrer, der durch sein Wirken und seine Schriften die evangelische Kirche über Bayern hinaus wesentlich prägte. Im Jahr 1853 eröffnete er in Neuendettelsau (Landkreis Ansbach) eine Diakonissenanstalt, mit der er Frauen aus schwierigen sozialen Verhältnissen eine Ausbildung ermöglichte. Dem sog. »Mutterhaus« folgten weitere Einrichtungen (z. B. Krankenhäuser und ein Waisenhaus), später auch bayernweit und darüber hinaus. 1849 rief er mit dem Ziel, Menschen zu einem Leben in der Nachfolge Jesu zu verhelfen, die »Gesellschaft für Innere und Äußere Mission« ins Leben. Die von Löhe gegründete institutionelle Diakonie in Neuendettelsau ist bis heute von großer Bedeutung.

Lorenz, Konrad

(* 1903, † 1989), war einer der wichtigsten Vertreter der vergleichenden Verhaltens-forschung und der evolutionären Erkenntnistheorie. Seine Haltung in der NS-Zeit war umstritten, doch erhielt er 1973 gemeinsam mit Nikolas Tinbergen und Karl von Frisch den Nobelpreis für Medizin.

Loriot

(1923–2011), mit bürgerlichem Namen Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, war ein deutscher Humorist, der als Karikaturist, aber auch als Schauspieler, Regisseur und Moderator bekannt wurde.

Luther, Henning

(1947–1991) war Professor für Praktische Theologie in Marburg. Für ihn ist Religion ihrem Wesen nach »Weltabstand« und dadurch immer auch Einspruch gegen die Welt.

Luther, Martin

(* 10. November 1483, † 18. Februar 1546 jeweils in Eisleben) ist der wichtigste Mitbegründer der Reformation und damit der evangelischen Kirche. Luther hatte ursprünglich nicht vor, eine eigene Kirche zu gründen. Es ging ihm vor allem darum, Missstände zu überwinden, zum Beispiel den sogenannten Ablasshandel. Dabei dachten Menschen, sie könnten sich die Gnade Gottes mit Geld oder guten Taten erkaufen. Luther lehrte dagegen, dass man Gottes Liebe einfach vertrauen darf. Damit sich jeder Christ und jede Christin selbst von dieser frohen Botschaft überzeugen könne, hat Luther die Bibel in die deutsche Sprache übersetzt.

Lutheraner

sind Anhänger Martin Luthers und Mitglieder der lutherischen Kirche.

Machiavelli, Niccolò

(1469–1527), italienischer Staatsmann, Philosoph und Geschichtsschreiber, gilt als bedeutender politischer Denker, dessen Analysen von Herrschaftsmacht mit der Forderung einer notwendigen Trennung von Politik und Moral bis in die Gegenwart kontrovers diskutiert werden. 

Mahayana

(sanskr., wörtl.: das große Fahrzeug): seit dem 1. Jh. v. Chr. eine der drei großen Richtungen des Buddhismus. Der Mahayana-Buddhismus unterscheidet sich vom älteren Theravada-Buddhismus durch eine andere Auffassung der Anatman-Lehre. Buddha betonte, dass alle Dinge »leer« sind (wie auch Gefäße leer sein können) und dass diese Erkenntnis zur Befreiung führt. Der Mahayana-Buddhismus wendet diese Aussagen dahingehend, dass alle Dinge »Leerheit« sind. Diese philosophische Verschiebung hatte weit reichende Folgen, da die »Leerheit« dann als das Absolute erkannt wurde. Wenn alles »Leerheit« und deswegen das eine Absolute ist, sind alle Wesen nicht vom Absoluten getrennt und als solche im Kern erlöst. Die Anhänger des Mahayana-Buddhismus folgen dem Bodhisattva-Ideal  und tragen daher für alle Wesen Sorge. 

Mahloquet

ist ein hebräischer Begriff für die jüdische Diskussionskultur, die sich aus der rabbinischen Auslegung der Tora und des Talmud entwickelt hat. Wahrheitssuche geschieht hier in einem unabschließbaren dialogischen Austausch, in dem jede Antwort wieder neue Fragen hervorbringt. Es geht dabei weder darum, dass jemand recht behält, noch darum, Kompromisse zu finden, sondern unterschiedliche Meinungen dürfen nebeneinander stehen bleiben; jede Meinung zählt, auch die vergangener Generationen.

Mammon

Alter Ausdruck für »Geld« , materielle Güter.