Lexikon

Polis

(griech.) ist die Bezeichnung für die altgriechischen Stadtstaaten. In der politischen Theorie, wie sie z. B. Hannah Arendt in Aufnahme von Aristoteles vertritt, steht die Polis modellhaft für ein Gemeinwesen, in dem Bürgerinnen und Bürger gleichberechtigt und frei zusammenleben und ihre Gesetze und Ordnungen gemeinsam aushandeln.

Politeia

(griech.: der Staat) ist ein Werk Platons. In einem fiktiven Dialog, geleitet von Platons Lehrer Sokrates, wird darin über Gerechtigkeit philosophiert und eine Vision eines idealen Staates entworfen. Besonders bekannt ist das sog. Höhlengleichnis.

politische Theologie

möchte zeigen, dass christlicher Glaube und christliche Theologie auch eine politische Dimension haben (müssen). Impulse aus dem Evangelium sollen weiter reichen als bis zur Ausgestaltung privater Frömmigkeitspraxis: hinein in die ökonomischen, gesellschaftlichen und auch kirchlichen Strukturen. Ende der 1960er-Jahre brachte der katholische Theologe Johann Baptist Metz diesen Begriff in die Diskussion ein, der sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Theologie aufgegriffen wurde. Betont wird in der politischen Theologie, dass christlicher Glaube eine kritische und subversive Kraft hat, die es politisch zu nutzen gelte – und zwar nicht im Sinne einer bestimmten Parteipolitik, sondern um Hoffnungsperspektiven für die Menschen zu eröffnen, auf deren Seite Jesus stand.

Polytheismus

(griech. poly: viel, theos: Gott): die Verehrung einer Vielzahl von Gottheiten.

Pontius Pilatus

stammte wohl aus niederem römischen Adel. Er war in den Jahren von 26 bis 36 n.Chr. Präfekt (Statthalter) des römischen Kaisers Tiberius in der Provinz Judäa und hatte unter seinen Zeitgenossen den Ruf, schonungslos und brutal zu sein. Er sah in Jesus vermutlich eine beim einfachen Volk beliebte Führerpersönlichkeit, die von einigen Nachfolgern als »König der Juden« bezeichnet wurde. Nur er als Präfekt durfte ein Todesurteil aussprechen. Obwohl er also die letzte Verantwortung für die Kreuzigung Jesu trug, wurde er später in den Evangelien zunehmend sympathisch dargestellt und es wurden die Juden für Jesu Tod verantwortlich gemacht – einer der Gründe für die jahrhundertelange Verfolgung der Juden.

Popper, Karl

(1902–1994), österreichisch-britischer Philosoph, ist berühmt für seine Arbeiten zur sog. offenen Gesellschaft sowie zum kritischen Rationalismus. Letzterer zeigt auf, dass es kein sicheres empirisches Wissen gebe, sondern Aussagen, die Anspruch auf Wissenschaftlichkeit beanspruchen, allenfalls widerlegbar (Falsifikation), aber nicht positiv beweisbar, also verifizierbar seien, da hierfür eine unendliche Zahl von Prüfungen notwendig wären. Bei Theorien, die allerdings bisher jeden Falsifikationsversuch bestanden hätten, wie z. B. die Quantentheorie, könne man von einer verlässlichen Theorie sprechen, die man nicht jedes Mal aufs Neue im Sinne eines methodischen Rationalismus kritisch prüfen müsse. 

Postapokalypsefilm

Spielfilm, bei dem die Ereignisse nach einer apokalyptischen Katastrophe dargestellt werden; dabei können durchaus diese selbst und die Geschehnisse im Vorfeld dieser Katastrophe einen größeren Teil der Handlung ausmachen. Betroffen von der Katastrophe sind entweder die Welt oder v. a. die Menschheit bzw. die Zivilisation insgesamt oder zumindest relevante Teile von ihr. Häufig hat die dargestellte Katastrophe eine »reinigende« (katharische) Funktion im Hinblick auf die Überlebenden. Postapokalypsefilme spielen mit der Notwendigkeit und der Möglichkeit, die Menschheit bzw. die Zivilisation »neu« anfangen zu lassen. Interessant ist dabei nicht zuletzt, wie die Überlebenden sich neu organisieren und welche Gruppen- bzw. Gesellschaftsstrukturen dabei entstehen und was ein Leben in einer zerstörten Welt als lebenswert erscheinen lässt.

Priester

Die Aufgaben der Priester waren vor allem an den Tempel und die dortigen Opfer gebunden. Zweimal im Jahr kamen sie dorthin und verrichteten ihren Dienst. In ihren Heimatorten waren sie als Richter, Schreiber oder Toralehrer tätig. Wie die Leviten gehen auch die Priester auf den Stamm Levi zurück, sie sahen sich aber als direkte Nachfahren Aarons (Moses älterem Bruder, der der erste Hohepriester war). Neben dem Tempelgottesdienst und den Opferriten kam ihnen auch die Unterscheidung zwischen rein und unrein zu (Reinheitsvorschriften). Den einmaligen Höhepunkt im Leben eines Priesters stellte die Auslosung zum Rauchopfer dar, da der Priester hierbei den Bezirk des Heiligen hinter dem Tempelvorhang betreten durfte.

Pro Asyl

ist eine als Verein, Stiftung sowie als bundesweit agierende Arbeitsgemeinschaft organisierte Menschenrechtsorganisation, die sich für die Rechte von Flüchtenden sowie Migrantinnen und Migranten einsetzt. Mitarbeitende der Organisation unterstützen Menschen z. B. in Asylverfahren, recherchieren und dokumentieren Menschenrechtsverletzung an Grenzen wie willkürliche Verhaftungen und illegale gewaltsame Zurückweisung Schutzbedürftiger (sog. »push-backs«) und sie setzen sich gegen Rassismus und für eine tolerante und offene Gesellschaft ein.

Propagandamittel

dienen auf kämpferische Weise der Durchsetzung von politischen Zielen und Machtinteressen. Sie haben den Zweck, die Gefühle und Gedanken und damit auch das Handeln von Menschen gezielt zu beeinflussen.

Prophetinnen und Propheten

Menschen als Medien des göttlichen Wortes kennt man im gesamten Alten Orient. Sie wirkten bei Hof oder am Tempel, in Gruppen oder vereinzelt. Auch Frauen waren dabei (im Alten Testament z. B. Mirjam, Debora, Hulda). In den alttestamentlichen Königserzählungen erfahren wir von Propheten wie Elia oder Nathan, die der Macht des Königs entgegentreten. In den Prophetenbüchern werden Sprüche der sog. »Schriftpropheten« (Jesaja, Jeremia, Ezechiel, Daniel und die 12 »kleinen« Propheten) überliefert und fortgeschrieben. Diese Propheten treten in den großen Krisen Israels auf, deuten die politische Entwicklung, üben Gesellschaftskritik, erinnern an die Tora, stören und verstören mit schlimmen Voraussagen und trösten mit Visionen von einem dauerhaften Frieden. Sie reden dabei nicht im eigenen Namen, sondern wissen sich berufen, ja oft »gezwungen«, und weisen sich mit der Botenformel »So spricht der Herr« als »Mund Gottes« aus. Im Islam werden die alttestamentlichen Propheten anerkannt; auch Jesus wird als Prophet (nicht aber als Sohn Gottes) verehrt. Muhammad gilt als der größte und letzte Prophet.

Protagoras

(*490 v. Chr., †411 v. Chr.) war ein Philosoph der griechischen Antike und gehörte der Gruppe der sog. »Sophisten« an. Der Mensch galt ihm als »Maßstab aller Dinge«. Für Protagoras bedeutet dies, dass es keine objektiven Wahrheiten gibt, sondern nur subjektive Meinungen. Er vertrat ferner eine »agnostische« Position, derzufolge man keinerlei Wissen über Gott bzw. die Götter haben könne.

Protestantisch

»Evangelisch« und »protestantisch« werden meist synonym verwendet – dabei wird im deutschen Sprachraum meist der erstgenannte Begriff bevorzugt, international ist der zweite gebräuchlicher. »Protestantisch« geht darauf zurück, dass 1529 der in Speyer versammelte Reichstag das seit 1521 gültige Reformationsverbot erneuerte. Die evangelische Minderheit wehrte sich mit einer »Protestation«, da sie ihr Gewissen nur an Gottes Wort binden wollte. Die Bezeichnung »Protestanten« wurde damit der gemeinsame Name der vielfältigen Bekenner des evangelischen Glaubens.

Provinz

Palästina war zur Zeit Jesu eingeteilt in die Bezirke Judäa, Samaria, Gaulanitis, Trachonitis, Batanäa, Galiläa und Peräa. Diese Landesteile waren mit Erlaubnis Roms unter den Söhnen Herodes' des Großen aufgeteilt worden. Sie behielten also jüdische Herrscher, die allerdings weitgehend von Rom abhängig waren. Nur Judäa mit der Hauptstadt Jerusalem wurde direkt der römischen Verwaltung unterstellt und erhielt einen Präfekten. Zur Zeit des Todes Jesu war das Pontius Pilatus.

Psalmen

Das Psalmenbuch (Psalter) ist das biblische Gebet- und Gesangbuch der jüdischen und christlichen Gemeinde. Es stellt eine Sammlung unterschiedlicher Lieder dar – unter anderem von Hymnen, Dankliedern, Bittpsalmen und Klagepsalmen. In Hymnen und Dankliedern wird Gott als Schöpfer der Welt und als Retter aus der Not gepriesen. Klagepsalmen bestehen in der Regel aus dem Anruf Gottes, der eigentlichen Klage – einer Schilderung der eigenen Not wie z. B. Krankheit und Anfeindungen durch andere Menschen, und einer Bitte an Gott. Viele Klagepsalmen geben der Gewissheit Ausdruck, dass das Gebet von Gott erhört werden wird. Bekannte Beispiele sind etwa Ps 3, Ps 22 und Ps 69. Nach der Überlieferung von Markus und Matthäus hat Jesus am Kreuz aus Ps 22 zitiert. Fast die Hälfte der 150 Psalmen trägt die Überschrift: »Ein Psalm Davids« oder »Von David« (zum Beispiel auch Psalm 23). Bei einigen Psalmen wird zusätzlich auch noch ein Ereignis aus Davids Leben genannt, in dessen Zusammenhang David den Psalm gedichtet und gesungen haben soll. Historisch ist es unwahrscheinlich, dass diese Psalmen tatsächlich von David stammen, da Psalmen Lieder sind, die im Rahmen von Gottesdiensten im Tempel gesungen wurden. Dieser wurde aber erst von Davids Sohn Salomo erbaut.

Ptah

ist die Hauptgottheit der Stadt Memphis, also des bedeutendsten Königssitzes des Alten Ägyptens, und wurde dort als oberster Schöpfungsgott – die Welt ist aus seinem Wort entstanden – und Herrn aller Götter angesehen. Allerdings erreichte er nie die Bedeutung von z. B. Re, Osiris und Amun.

Puritaner, puritanisch

Als Puritaner – also als »Reiniger« – bezeichnete man reformorientierte Gemeinden im England des 17. Jahrhunderts, die u. a. neue Formen der Mitbestimmung in der Gemeinde eingeführt hatten. Diese Form der Gleichberechtigung wollten insbesondere schottische Parlamentarier gegen König Karl I. durchsetzen, der gerne absolutistisch regiert hätte. Die Zuspitzung des Konflikts gipfelte im englischen Bürgerkrieg (1642–1649) zwischen Karl I. und dem Parlament, der auch Puritanische Revolution genannt wird.

Quantenphysik

befasst sich in erster Linie mit dem Verhalten und der Wechselwirkung kleinster Teilchen und ist somit eine Theorie, die man in der Naturwissenschaft dann benötigt, wenn man ganz genau werden muss. Dies gilt z. B. für alle Digitaltechnologien, für Laser, Mobiltelefone, Satelliten, Nukleartechnik, medizinische Diagnostik usw. – mindestens ein Drittel des Bruttosozialprodukts der Industrienationen beruht bereits direkt oder indirekt auf Erfindungen mit quantentheoretischer Grundlage. Zugleich hat sie einen universellen Anwendungsbereich, spielt also für alle Bereiche der Natur(wissenschaft) eine Rolle. Sie zeigt auf, dass es im Bereich des Kleinen in der Welt immer komplexer wird und es Phänomene gibt, die der klassischen Physik widersprechen. So laufen z. B. bestimmte Prozesse nicht kontinuierlich ab, sondern treten nur in bestimmten Portionen auf – den sogenannten »Quanten«. Den Physikern wurde so schließlich die Einsicht aufgezwungen, dass in der Natur das Ganze mehr ist als die Summe der Teile, aus denen es zusammengesetzt ist, weil die Phänomene in der Natur nicht isoliert sind, sondern miteinander in Wechselwirkung stehen.

Quantensprung

bezeichnet – im Gegensatz zur häufigen Verwendungsweise im Alltagsgebrauch (»Das ist ein Quantensprung«) – die kleinstmögliche (!) reale Veränderung, die im Rahmen des naturwissenschaftlich Beschreibbaren mit oder an einem System geschehen kann. Wirkungen können nur quantisiert, also in »Anzahlen« oder »Stufen« auftreten und nicht in beliebig glatten Veränderungen, wie es die klassische Physik vorausgesetzt hatte.

Quantentheorie

befasst sich in erster Linie mit dem Verhalten und der Wechselwirkung kleinster Teilchen und ist somit eine Theorie, wenn man in den  Naturwissenschaften ganz genau werden muss. Zugleich hat sie aber einen universellen Anwendungsbereich, da es keinen Bereich der Natur(wissenschaft) gibt, für den man nachweisen könnte, dass sie keine Geltung hat. Entgegen der alten Vorstellung, dass es im Bereich des Kleinen in der Welt immer einfacher würde, zeigt sich, dass es im Bereich der Quanten immer komplexer wird: Im Bereich der Moleküle und darunter gibt es Phänomene, die der klassischen Mechanik widersprechen. So laufen bestimmte Prozesse oder Phänomene nicht kontinuierlich ab, sondern treten nur in bestimmten Portionen auf – den sogenannten »Quanten«. Zudem ist keine sinnvolle Unterscheidung zwischen Teilchen und Wellen möglich, da das gleiche Objekt sich je nach Art der Untersuchung entweder als Welle oder als Teilchen verhält. Damit wurde den Physikern die Einsicht aufgezwungen, dass in der Natur das Ganze mehr ist als die Summe der Teile, aus denen es zusammengesetzt ist oder in die man es zerlegen kann, weil die Phänomene miteinander in Wechselwirkung stehen. Sie zeigt damit auch, dass bereits reine Möglichkeiten das Verhalten von unbelebten Systemen ändern können und nicht nur die eingetretenen Fakten. Im Gegensatz zur klassischen Physik kann mit der Quantentheorie und ihrer Einsicht in die komplexe Wechselwirkung von Systemen auch erklärt werden, wie qualitativ Neues entstehen kann. Mithilfe von Anwendungen der Quantentheorie wird heute ca. ein Drittel des Bruttosozialproduktes in Industrieländern erarbeitet (z. B. PCs, Handys, Laser, Solarzellen etc.).

Qumran

heißt eine antike Siedlung in der Wüste am Toten Meer, die heute als Ruine zugänglich ist. Ihre Bewohner gehörten wohl zur Gruppe der Essener und hatten sich hier in die Wüste zurückgezogen, um ein gottgefälliges Leben nach ihren eigenen Regeln zu führen. Beim jüdischen Aufstand 66–70 n. Chr. wurde die Siedlung von den Römern zerstört. Damals brachte man zahlreiche Schriftrollen, verwahrt in Tonkrügen, in benachbarten Höhlen vor den Römern in Sicherheit. Diese Schriftrollen vom Toten Meer wurden 1947 zufällig von einem Beduinenjungen entdeckt. Sie enthalten u. a. die ältesten bekannten Handschriften alttestamentlicher Texte und werden seitdem von Wissenschaftlern erforscht.

Rabbi

Rabbi/Rabbiner: nennt man in biblischer Zeit einen Schriftgelehrten, der die Tora studiert hat und diese seinen Schülern erklärt. In dieser Bedeutung wird auch Jesus Rabbi genannt. Später werden aus diesen Lehrern die Rabbiner der jüdischen Gemeinden. Seit dem 19. Jh. wachsen ihnen Aufgaben zu, die denen von christlichen Geistlichen ähneln. In manchen Gemeinden gibt es heute auch Rabbinerinnen.

Ramadan

(arab. Id al-Fitr) heißt der neunte Monat des islamischen Kalenders. Er ist der Fastenmonat der Muslime (ausgenommen vom Fasten sind Kinder, Reisende, Alte, Kranke und Schwangere), dauert 29 oder 30 Tage und endet mit dem Fest des Fastenbrechens, welches auch als »Zuckerfest« bekannt ist.

Rasse

Der Begriff Rasse stammt aus der Biologie, wird dort aber kaum noch verwendet, da die Unterteilung von Arten in Unterarten selbst bei Tieren kaum sinnvoll gelingt. Er wird deshalb meist nur noch für die Zucht von Haustieren und Kulturpflanzen verwendet. Der Versuch, mit Hilfe des Begriffs Menschen einzuteilen, wird aus wissenschaftlicher Sicht als völlig ungeeignet angesehen, da alle heute lebenden Menschen biologisch als eine einzige Art zu betrachten sind und die genetische Vielfalt der Menschen der Vorstellung von menschlichen Unterarten widerspricht: Die durchschnittlichen genetischen Unterschiede zwischen den z. B. mithilfe von (angeblichen) Hautfarben oder Gesichts-Merkmalen unterschiedenen Gruppen sind geringer als die zwischen den Individuen innerhalb der so zusammengefassten Gruppe. Dies macht deutlich, wie willkürlich und sinnlos solche Einteilungen sind. Die Menschheit war schon immer auch über die Grenzen der Kontinente hinweg genetisch miteinander verbunden. Heute weiß man vielmehr, dass sich gerade Merkmale der Körperoberfläche, wie die Pigmentierung der Haut, in relativ kurzer Zeit unter den jeweiligen Umweltbedingungen herausgebildet haben.

Rawls, John

Rawls, John (1921–2002) war ein amerikanischer Philosoph, der an der Harvard University lehrte. Sein Hauptwerk »A Theory of Justice« (1971), aus dem das Gedankenexperiment mit dem »Schleier des Nichtwissens« stammt, gilt als eines der einflussreichsten im Bereich der politischen Philosophie im 21. Jahrhundert. Für Rawls ist eine Gesellschaft nur dann gerecht, wenn sie auch den Schwächsten ein gutes Leben ermöglicht.

Rechtfertigungslehre bzw. besser Rechtfertigungsglaube

Die reformatorische Grundeinsicht Luthers, dass unser Heil nicht von guten Werken abhängt, sondern alleine von unserem Glauben an Jesus Christus, der uns aus Gnade gerecht spricht, wird Rechtfertigungsglaube genannt. Der Mensch kann also nicht aus sich selbst heraus Gott »recht« werden: Er wird vielmehr ohne Vorbedingungen als Gotteskind angesehen. Weil die Menschen dadurch nicht mehr um ihr Seelenheil Angst haben müssen, können sie sich anderen zuwenden und etwas von ihrer Freude und Dankbarkeit weitergeben.

Reden von Gott

Philosophen und Theologen haben sich immer wieder mit der Möglichkeit bzw. der Unmöglichkeit des Redens von Gott / dem Göttlichen auseinandergesetzt, das ja schon aus sprachlogischen Gründen Schwierigkeiten bereitet: Wie soll man in (begrenzter) menschlicher Sprache vom Unendlichen, Unbegrenzten reden? Macht nicht das Reden »von Gott« den, der Subjekt all unseres Handelns und Redens ist, zum Objekt? Am radikalsten hat Karl Barth  das Dilemma beschrieben, von Gott (als dem ganz Anderen) zwar nicht reden zu können, aber es doch (als Theologie, als Mensch, der sich über seinen Glauben verständigt) zu müssen. Die theologische Tradition hat dazu sprachliche »Hilfskonstruktionen« herausgebildet. Von Gott wird z. B. »wie von einem Menschen« erzählt (anthropomorphe Redeweise); es wird mit Sprachformen der Analogie (»Gott als Vater«), der Überhöhung (Gott ist allmächtig) oder der Verneinung (Gott ist unsichtbar) gearbeitet; es wird von Erfahrungen mit Gott erzählt oder es wird mit Symbolen oder ästhetischen Ausdrucksformen gearbeitet. Dies alles geschieht nach biblisch-christlicher Überzeugung in dem Wissen, Gott sprachlich und bildlich nicht fassen zu können; möglich ist das Reden »von Gott« nur als »Antwort«, weil Gott selbst zuerst geredet und den Menschen angesprochen hat.

Reformation

(lat.: Erneuerung, Wiederherstellung) bezeichnet eine religiöse Bewegung des 16. Jahrhunderts und ist wesentlich mit Martin Luther (1483–1546) verbunden. Er veröffentlichte am 31. Oktober 1517 in Wittenberg 95 Thesen zu den Missständen in der damaligen Kirche. In der Folge kam es zur Kirchenspaltung und Entstehung der evangelischen Kirche. Nachdem die Bibel bisher in den Gottesdiensten immer nur in Latein vorgelesen wurde, übersetzte Luther die Bibel ins Deutsche, weil er sie für alle Menschen verständlich machen wollte.